Scheren für Australien

Riesige Pressen: Maschinenfabrik Henry Pels & Co.

Ein Kompliment aus Frankreich: „... Unsere Schere R.T. 30 hat uns während 30 Jahren zu unserer vollständigen Zufriedenheit gedient. Die Maschine ist in sehr gutem Zustand und funktioniert heute noch prima. Außerdem sind wir noch im Besitz von zwei Handmaschinen, eine davon, Modell H 30, 1918 von Ihnen geliefert.“

Diese Zeilen, 1960 von Etablissements C. Boeckel aus Strassburg an den VEB Pressen- und Scherenbau Erfurt geschrieben, zeugen von der enormen Qualität und Robustheit der Pels-Erzeugnisse. Diese Marke wurde zum Teil bis in die 50er-Jahre verwendet und geht auf den Gründer der Firma Berlin Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels & Co. – heute Umformtechnik Erfurt – zurück. Für ältere Erfurter ein Begriff wie immer noch Braugold oder Bornsenf.

Henry Pels wurde am 6. Juni 1865 in Hamburg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. 1893 gründete er seine erste Firma, das Handelsunternehmen Henry Pels & Co. Hamburg. Neun Jahre später war die Geburtsstunde der Berlin-Erfurter Maschinenfabrik Henry Pels & Co., kurz BEM. Die BEM hatte bis 1920 durch ihre Patente über Stahlniet-Konstruktionen und die Stahlplattenbauweise ihrer Umformmaschinen einen enormen Wettbewerbsvorteil. Bis zum Ersten Weltkrieg produzierte die Fabrik im Erfurter Norden Scheren, Lochstanzen und kombinierte Maschinen. Das Vertriebsnetz war inzwischen gut ausgebaut, man verfügte über sieben Filialen im In- und Ausland. 15 europäische Länder sowie Afrika, Amerika, Australien und Asien wurden beliefert. Über 90 Prozent der Produkte gingen in den Export. Nach dem Krieg wuchsen Werk und Belegschaft, nicht zuletzt verdankte der Betrieb seine lang anhaltende Stabilität den sogenannten „Russenaufträgen“. Das Werk stellte sich in dieser Zeit auf Pressen für den Automobil-Karosseriebau um.

Ab 1940 beteiligte sich auch die Erfurter Fabrik an der Kriegsproduktion. Da war das Werk längst „arisiert“, bald der Name des jüdischen Gründers verschwunden. Das Unternehmen überstand den Krieg, lieferte dann Erzeugnisse als Reparationen an die UdSSR. Ab 1954 war der Betrieb Volkseigentum als VEB Pressen- und Scherenbau Henry Pels. Mehrere Betriebe gliederte man dem Unternehmen an, 1970 entstand daraus der VEB Kombinat Umformtechnik Erfurt. Im Juli 1990 wurde das Kombinat aufgelöst und in Erfurt gründete man mit Treuhandhilfe die Umformtechnik GmbH. 1994 erfolgte die Privatisierung des Unternehmens. Die Geschäfte stabilisierten sich wieder und Erfurter Maschinen werden in der deutschen Automobilindustrie, aber auch in Russland, China oder Brasilien eingesetzt.

 

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