Thüringer Dampfrösser

Erfurt galt lange Zeit als ein Standort für den Bau von Lokomotiven

Die Krone des Maschinenbaus, so wurde der Bau von Lokomotiven in der Ära der Industrialisierung genannt. Auch Erfurt konnte sich dieser technischen Kunst rühmen. Exakt 1252 stählerne Dampfrösser wurden bis 1928 hier gebaut! Die über 1000 Lokomotiven stellten Erfurter Schmiede, Schlosser, Schweißer und Mechaniker in einem Zeitraum von ungefähr 45 Jahren her. Gebaut hatte sie in den Jahren 1873 bis 1915 die Lokomotivfabrik Hagans und dann bis 1928 die Abteilung Lokomotivfabrik Hagans der R.-Wolf-AG Magdeburg/Buckau.

Christian Hagans, der Lokomotivbauer aus Erfurt, gründete sein Unternehmen schon im Jahre 1857. Hagans hatte bis 1867 seine Werkstätten so ausgebaut, dass ein umfangreiches Produktionsprogramm umgesetzt werden konnte. Im Bereich Blechschlosserei reparierte Hagans anfangs nur drucklose Behälter. An Lokomotiven war noch nicht zu denken. Später baute die Firma Druckbehälter, dann stationäre Lokomobile und solche auf Rädern. Schließlich produzierte Hagans für den Eisenbahnbedarf Gleisjoche, Drehscheiben und Kipploren, später Achslager, Bremsklötze und mehr. Auch Ersatzteile für Lokomotiven wie Pleuel- und Kuppelstangen wurden hergestellt. 

Von da an war es nur noch ein kleiner Schritt bis zur eigenen Lokomotive! Hagans baute die Gelbgießerei aus, kaufte Blechbearbeitungsmaschinen und qualifizierte seine Mitarbeiter. Wichtig waren gute Kesselschmiede. Im November 1872 war es dann so weit: Die erste Erfurter Lokomotive, eine B-Tender-Lok, verließ die Fabrik. Das war ein Spektakel für die ganze Stadt. Denn die Fabrik in der Kartäuserstraße hatte keinen Gleisanschluss.
Pferde zogen das stählerne Ungetüm auf einem Tieflader durch die engen Gassen zu den Gleisen, begleitet von hunderten Schaulustigen. Die Thüringer Produktionsstätte war eine von insgesamt sechzehn in ganz Deutschland. In Erfurt wurden vor allem kleinere Modellgrößen montiert, die für den Einsatz als Bau-, Industrie- und Kleinbahn konzipiert waren. 

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges sahen die Brüder Otto und Friedrich Hagans keine Möglichkeit mehr, die Position der Firma zu halten. So entschlossen sie sich, die Fabrik an die R.-Wolf-AG aus Magdeburg-Buckau zu verkaufen. Damit endete zwar die Ära Hagans. Aber die Firma und der Name blieben noch mehr als ein Jahrzehnt erhalten. 1920 wurde die 1000. Lok gebaut: eine P 8. Bis zum Jahre 1928 fertigte man in der Erfurter Fabrik noch Lokomotiven. Doch gegen Ende der 20er-Jahre gingen die Aufträge aus, die gesamte Branche steckte in der Krise. Die R.-Wolf-AG schloss schließlich ihre Erfurter Abteilung.

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