Ofenkrieg in Erfurt

Selbst Goethe kaufte Kakteen-Schönheiten bei Friedrich Adolph Haage junior

Der Name Haage ist seit Jahrhunderten mit dem Erfurter Gartenbau verknüpft. Er verbindet sich mit der einst bedeutenden Brunnenkressekultur im Dreibrunnengebiet, aber auch mit Gemüsesamen- und Pflanzenzucht. Eine Spezialität im Zierpflanzenbereich machte die Firma Friedrich Adolph Haage junior berühmt: die Kakteen. 1822 gründete Friedrich Adolph Haage seine Gärtnerei und Samenhandlung. Zuerst fand sie ihren Platz auf einem kleinen Pachtgrundstück, das früher Christian Reichart gehörte. Erschwert wurde der Start in die Selbstständigkeit durch die Vernichtung der Kulturen durch Hagelschlag. Doch Adolph Haage erholte sich wirtschaftlich rasch davon und konnte bald seine Gärtnerei erweitern. Friedrich Adolph Haage junior züchtete zunächst allerdings Levkojen, Nelken, Goldlack, Astern, Rosen und andere Florblumen. Doch bald machte Haage aus seinem Hobby ein Geschäft. Schon sehr früh erweiterte er das Sortiment um Kakteen. Er sammelte und züchtete die stachligen Schönheiten so intensiv und mit viel kunstfertigem Können, dass er nach 13 Jahren über die drittgrößte Sammlung in ganz Deutschland verfügte. Haage wurde zu einem der besten Kenner der Kakteenkulturen. So verwundert es kaum, dass berühmte Persönlichkeiten und Naturwissenschaftler der damaligen Zeit bei ihm einkehrten und seine Sammlungen bestaunten: Alexander von Humboldt, der Weimarer Herzog Karl August, Franz Liszt und natürlich Johann Wolfgang von Goethe bestellten bei Kakteen-Haage die exotischen Stachligen. Der große Dichter orderte ausgewählte Kakteen für die Dame seines Herzens. Eine Pflanze sogar zweimal, da der schönen Verehrten der erste Kaktus eingegangen war. 

Die Firma Haage lag sogar kurze Zeit mit Erfurts Militär im Zwist, im „Ofenkrieg“. Haages Feldarbeiter, die permanent unter frostklammen Händen litten, konnten sich in einem schlichten Gärtnerhäuschen an einem gusseisernen Ofen aufwärmen. Als sie an einem Tag zum Virur (Vier-Uhr Nachmittagskaffee) beisammen saßen, kam ein Unteroffizier herein und befahl, den Ofen zu löschen. Seine Exzellenz Herr Rittmeister von Meske glaubte wohl, man würde mit dem Ofen Rauchzeichen geben, um eventuellen Feinden einen Angriff zu erleichtern. Denn die preußische Armee hatte 1870, kurz vor dem Krieg mit Frankreich, Angst vor Spionen. Trotz mehrerer Aufklärungsversuche blieb das Heizen verboten. Erst 1871 nach dem Sieg über Frankreich und der Herstellung der deutschen Einheit konnte Haage wieder Feuer machen zur Freude seiner frierenden Arbeiter.

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