Mühlhäuser Pflaumenmus

Man stand Schlange danach, es gab Prozesse um den Schutz der Marke und es überdauerte die bewegtesten Zeiten: das Mühlhäuser Pflaumenmus.

Begonnen hatte alles 1908. In der Eisenacher Straße 3 in Mühlhausen gab es zu dieser Zeit eine Kolonial- und Materialwarenhandlung C. Thämert.

Der Namensgeber Carl Thämert, der das Geschäft schon vor 1900 betrieb, war bereits gestorben. Witwe Mathilde führte es weiter. In ihrem Hinterhaus wurde damals schon Marmelade und Pflaumenmus gekocht. Die feinen würzigen Zutaten kamen aus dem Laden. Das Obst gleich von nebenan – aus dem Garten und von den vielen Obstanbauern der Gegend. Denn die bauten zum größten Teil Zwetschen an. Dort im Hinterhaus schaute Sohn Hermann sicher häufig seiner Mutter über die Schultern, musste mit anpacken. Hier lernte er auch die leckeren Rezepte kennen und war davon überzeugt: Daraus lässt sich Geld machen. So verlegte sich Hermann Thämert (1885-1952) auf die Obstverwertung und gründete 1910 die Dampf-Muskocherei Hermann Thämert in der Eisenacher Straße 3. Der Laden wurde aufgegeben. Die Muskocherei betrieb Thämert im Hinterhof weiter. Bald brauchte er mehr Platz. So beantragte Hermann Thämert 1916 die Aufstellung eines Dampfkessels für eine Dampfkochanlage in seinem Garten in der Brunnenstraße. Dafür musste die Gartenlaube herhalten. Jetzt kochten schon 10 Leute Mus und auch Konfitüren. Nach dem Krieg ging Thämert den Ausbau seiner Thüringer Pflaumenmus- und Marmeladenfabrik im Gartengrundstück an: ein Kesselhaus mit Schornstein (1918), eine Unterwindfeuerung für den freistehenden Dampfkessel, ein Klosetthaus, Garagen und 1922 schließlich ein provisorischer Anbau zur Aufstellung von Dampfkochkesseln. 1924 ließ Thämert dann das Fabrikgebäude in der Brunnenstraße errichten. Der Übergang zur industriellen Fertigung war erfolgt. Das Gebäude diente immerhin 70 Jahre der Mus-Herstellung! Inzwischen nannte sich die Firma Thüringer Pflaumenmus- und Konservenfabrik. Auch in den 30er-Jahren erweiterte Thämert seine Anlagen. 1938 produzierte die Fabrik schon 4000 Tonnen süße Brotaufstriche. Übrigens machte man auch Früchte- und Gemüsekonserven, Fruchtsäfte, Gurkenkonserven und Sauerkohl.

1972 erfolgte die Verstaatlichung zum VEB Thüringer Pflaumenmus- und Konservenfabrik. Als Mühlhäuser Pflaumenmus GmbH erfolgte dann der Start in die Marktwirtschaft. Schon 1995 war das Mühlhäuser Pflaumenmus Marktführer in Ostdeutschland, selbst in den alten Bundesländern rutschte es auf den 2. Platz. Inzwischen kann man das Mühlhäuser Pflaumenmus deutschlandweit in 34000 Läden kaufen, es wird sogar nach Afrika, Asien und Amerika geliefert.

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