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Porträts Sebastian und Ferdinand Lucius


(Signatur S 01-37, S. 9)

Die beiden Porträts finden sich in der Jubiläumsfestschrift der IHK Erfurt aus dem Jahr 1925, in der alle Vorsitzenden der Erfurter Kammer aufgelistet sind.  Sebastian und Ferdinand waren nicht nur Kammervorsitzende – sie gehörten einer „der erfolgreichsten und prägendsten thüringischen Bürgerfamilien des 19. Jahrhunderts“ [1] an – der Familie Lucius. Neben Erfurt und Thüringen wirkte die Familie im Rhein-Main-Gebiet und selbst in den preußischen Regierungskreisen.

In Erfurt spielten sowohl Sebastian als auch Ferdinand Lucius – Vater und Sohn – eine bedeutende Rolle in der Entwicklung der Handelskammer.

Sebastian Lucius, geboren 1781 in Erfurt, übernahm 1810 den bereits 1763 von seinem Vater, Johann Anton Lucius, gegründeten Großhandel von Tuch-, Band- und Strumpfwaren und entwickelte diesen gewinnbringend weiter. Er beschäftigte eine große Zahl an Heimarbeitern, betrieb aber ebenfalls einige Fabriken. Sebastian Lucius war ein „ehrbarer Kaufmann“: Strebsam, gebildet, stets unermüdlich tätig, bewies er nicht nur kaufmännischen Weitblick, auch Wohltätigkeit und Fürsorge bestimmten sein Handeln. Für die Stadt Erfurt und ihre Einwohner engagierte er sich als Stadtverordneter und gleichsam als Mensch. Als erfolgreicher Geschäftsmann – Kommerzienrat und einer der reichsten Bürger der Stadt – unterstützte er nicht nur die Errichtung der Erfurter Handelskammer, er war ihr erster Vorsitzender und führte sie 12 Jahre bis zu seinem Tod 1857.

Ferdinand Lucius (1830-1910) trat die Nachfolge des Vaters im Geschäft an – und folgte ihm ebenfalls in der Funktion des Handelskammervorsitzenden. Auch er war ein erfolgreicher Geschäftsmann und 1906 sogar der reichste Erfurter Bürger. Gleich seinem Vater übernahm er Verantwortung für das Gemeinwohl – als Abgeordneter des deutschen Reichstages von 1890 bis 1893, als Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses von 1886 bis 1903 und eben als Vorsitzender der Handelskammer Erfurt. Die Kammer lenkte er von 1867 bis 1871 und dann noch einmal ganze 23 Jahre von 1883 bis 1906. In Anerkennung seiner Leistungen verlieh man ihm den Titel Geheimer Kommerzienrat und die Ehrenbürgerschaft der Stadt Erfurt.[2]

 

Anmerkungen

[1] Hahn, Hans-Werner: Zwischen Mainzer Rad und preußischem Adler. Sebastian Lucius und der Aufstieg einer Erfurter Bürgerfamilie, S.165-184, in: Hahn, Hans-Werner/Greiling, Werner/Ries, Klaus (Hg.), Bürgertum in Thüringen. Lebenswelt und Lebenswege im frühen 19. Jahrhundert, Rudolstadt/Jena 2001
 
[2] https://kulturerbethueringen.wordpress.com/2013/10/12/wer-hat-sollte-geben/#more-2445 vom 1.1.2020

 

 


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